2. Int. Corrado Treffen 1998 am Nürburgring

Die Bilder zu diesem Treffen findet ihr hier.

 


Bericht zum 2. Internationalen Corrado Treffen am Nürburgring


Alles begann recht zuversichtlich: Wir fuhren im November auf dem Weg zu einem Treffen des Corrado Club Niederlande in die Eiffel, um den Ort zu besichtigen, den wir bei unserem ersten Treffen in Wolfsburg für unser zweites Treffen ausgewählt hatten; den Nürburgring.
Die Eiffel hat nicht nur landschaftlich viel zu bieten, nein man kann auch an den Wochenenden wunderschöne Autos dort antreffen. Alles was viele Pferde und Hubraum unter der Haube hat, ist dort vertreten. Wir waren uns sicher, daß dies der ideale Ort für unser zweites Treffen war. Die Vorbereitungen begannen schon zeitig, damit auch diesmal alles richtig organisiert war. Aus diesem Grund riefen wir auch vor dem Veranstaltungswochenende noch einmal bei der Nürburgring GmbH an, um uns zu vergewissern, daß keine Pannen passieren.


Am Freitag starteten wir sehr früh zu zweit von Berlin, um in der Mittagszeit dort zu sein und alles koordinieren zu können. Gegen 12:30 Uhr waren wir dann vor Ort, am "Brünnchen", eine langgezogene Kurve auf der Nordschleife, die man sehr gut von der Fläche einsehen kann, an der wir unser Treffen geplant hatten. Um 12:45 war der freundliche Lkw-Fahrer da, und fragt uns wo er hier im Naturschutzgebiet die Miettoilette abstellen soll. Wir vielen aus allen Wolken und nach einiger Recherchearbeit und Gesprächen mit den zuständigen Herren am Ring (Hallo Herr Strack!) sagte man uns, daß dieser Platz seit zwei Monaten Naturschutzgebiet sei, weil die Nürburgring GmbH es leid sei immer dort den Müll wegzuräumen. Das letzte mal bei "Rock am Ring" sah es dort aus wie auf einer Mülldeponie. Auch mit Bitten und Betteln für eine Sondergenehmigung war nichts zu machen.


Wir mußten schnell eine Lösung finden. So entschlossen wir uns, auf den einzigen Campingplatz am Ring auszuweichen. Der bot zum Glück genügend Platz für mehrere hundert Corrado's und deren Fahrer und Fahrerinnen. Jetzt mußten noch schnell ein Schild am "Brünnchen" angebracht werden um alle Fahrer(innen) zum Campingplatz umzuleiten. Am "Brünnchen" trafen die ersten dezent getunten Corrado's ein und unsere Herzen begannen schneller zu schlagen. Wir holten die Holzkohle und den Grillanzünder aus der Vorratskiste und läuteten ein heißes Corrado-Wochenende ein. Es kamen immer mehr Fahrzeuge und wir freuten uns, Corrado Fahrer aus den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Luxemburg und Frankreich, begrüßen zu dürfen. Die erste Nacht war laut und kurz, da einige wissen wollten, ob Ihr CarHiFi-System, nachts um drei auch so gut klingt, wie am Tag. Wo ist die Gelegenheit besser als am Ring, wo kreischende Motoren allgegenwärtig sind!?
Der Samstag war der Hauptveranstaltungstag: wir hatten ein obligatorisches "Show & Shine" vorbereitet. Ebenso einen Preis für die weiteste Anreise, wobei uns die serienmäßige MFA (Multifunktionsanzeige) in unseren Corrado's sehr behilflich war. Um die Werte zu überprüfen half uns der mitgebrachte Laptop mit Routenplanersoftware. Als wohl spannendstes Highlight hatten wir eine Zeitfahrt auf der Nordschleife im Programm. Viele waren skeptisch und wollten nicht, daß ihren "Baby's" und ihnen selbst etwas auf der Schleife zustößt. Wir hatten vorgesorgt und mit dem zuständigen Personal an Start&Ziel eine Vereinbarung getroffen, daß die Corrado's in einer speziellen Startbahn alle hintereinander und ohne störende Campingmobile, Reisebusse und Motorradfahrer starten konnten. Zuertsteinmal war aber das "Show & Shine" dran. Die Entscheidung viel diesmal besonders schwer, da wieder sehr viele sehr ausgefallene Corrado's an den Start gingen, das Spektrum reichte von Turboladern über variable Saugrohre, bis hin zu Gewichtsoptimierungen der besonderen Art: ohne Tachometer aber mit TÜV. Einem Präzisionsbastler gelang es sogar, eine Klimatronic aus einem Golf III supersauber in die Mittelkonsole des Corrado's zu integrieren. Um das HighTech Interieur zu komplettieren mußte noch ein Digitaltachopanel aus einem GolfII herhalten und verschwand dort, wo sonst die Rundinstrumente des Corrado's sitzen. Wir fragten uns des öfteren wieviele Urlaube und Ehen diese Modifikationen wohl gekostet haben. Nicht zu vergessen wäre, die Lederausstattung aus einem Jaguar aus feinstem Conolly Leder. Weil der Fahrzeughimmel danach so trist "stoffig" aussah wurde er auch gleich noch mit Leder behautet. Das sind sie die Momente die einen die viele Vorbereitungszeit auf solch ein Event vergessen lassen und man kommt nur ins Schwelgen und träumt sich seinen "Spezial-Corrado" zusammen. Ich stellte auch wieder fest, daß die Sprichwörter "Geht nich; gib's nich" und "Nix ist unmöglich" eine echte Bedeutung haben.
Nach drei Stunden Bedenk- und Beobachtungszeit wurden dann die Stimmzettel eingesammelt und Anne, unser Organisationstalent und Schatzmeisterin begann mit der Stimmenauswertung. Diesmal wurde es sehr knapp, viel enger als in Wolfsburg, aber der erste Platz stand wieder fest: Es war André Kain, mit seinem RotheVR6 Turbo. Den zweiten Platz belegte Dirk Müller mit einem sehr schön lackierten Corrado 16V und den dritten Platz machte Oliver Richard mit seinem supersauber gewichtsoptimierten (minus 150kg) Corrado G60.
Nun wurden schon alle langsam nervös, denn das Zeitfahren auf der Nordschleife stand bevor. Die letzten Vorbereitungen waren zu treffen und dann ging es im Konvoi mit achtundsechzig Corrado's hoch zum Start und Zielbereich der Ex-Formel1-Strecke. Leider waren es leere Versprechungen des Streckenpersonals, daß wir alleine Starten dürfen. Wir hatten zwar unsere eigenen Startspur, doch die Motorradfahrer mischten ordentlich mit. Auch große Reisebusse waren auf der Nordschleife unterwegs. Das war für viele Teilnehmer der Zeitfahrt ein recht unliebsames Handikap. Trotzdem amüsierten sich (fast) alle prächtig. Alle hatten nach der Runde ein entspannt-lockeres, breites Grinsen im Gesicht. Auch André freute sich, daß er seinen RotheTurboVR6 auf der Geraden mal wieder fast auf Topspeed bringen konnte. Die Motorradfahrer staunten nicht schlecht, als ein dunkelblaumetallener Corrado mit 270km/h an ihnen vorbeisauste. Das anschließende Abbremsen überlebte der rote Bremssattellack allerdings nicht, er wurde dunkelbraun und qualmte. Nur einer blieb auf der Strecke, ihm war der Wärmetauscher seines G60's verreckt und der Corrado wollte nach der Hälfte der Runde nicht mehr. Was tun? Sein Team aus Kaufbeuren waren sofort zur Stelle. Sie fuhren in das nahe gelegene Adenau und machten einen Sanitärmeister ausfindig, der ihnen für 10,-DM Trinkgeld ein Stück Kupferrohr und zwei Kabelschellen überließ. Nach Überzeugung des Streckenpersonals wurde es Claus dann doch erlaubt, die Strecke zu befahren und den G60 seines Freundes zu bergen bzw. zu reparieren. Schumi wäre stolz auf ihn gewesen, denn er lenkte die Leitung mit Hilfe des Kupferrohres und der Schellen in weniger als zehn Minuten so um, daß der G60 problemlos weiterfahren konnte. Die Heizung ging zwar nicht mehr, aber das war an diesem Tag locker zu verkraften, da es über 30 Grad heiß war. So war am Ende doch wieder alles Gut, wie das bei Corrado Fahrern so üblich ist. Nun machten wir uns daran die Start und Zielzeiten gegeneinander hochzurechnen und den Sieger zu ermitteln. Die beste Zeit war trotz Hindernissen (Motorradfahrer und Omnibusse) eine super 10:28. Wir fuhren zurück zum "Brünnchen", um die Sieger unserer drei Events zu Ehren. Den Pokal für die weiteste Anreise bekam Michael Steinzer aus Weikendorf, der 980 km zum 2. Internationalen Corrado Treffen fuhr. Damit war der offizielle Teil beendet und wir fuhren alle geschafft und zufrieden zurück auf den Campingplatz, um zu feiern. Wir vertieften unsere Gespräche und stellten mit Begeisterung fest, daß neben dem Vorstand des CCN (Corrado Club Nederland) auch der zweite Vorsitzende des CCA (Corrado Club America) anwesend war. Wir tauschten Merchandise und Adressen und diskutierten über die Strategie von Volkswagen und über den neuen VR6, bevor wir spät (früh) schlafen gingen, um für die weite Heimreise fit zu sein.

 

Georg J. Lutz 

 

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