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Anleitung hintere Bremssättel überholen
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THEMA: Anleitung hintere Bremssättel überholen

Anleitung hintere Bremssättel überholen 6 Jahre, 6 Monate her #1213

  • Thomas K
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Anleitung hintere Bremssättel überholen

In dieser Anleitung werden Gewisse Technische Voraussetzungen und Wissen über die Bremsanlage vorausgesetzt.
Bevor man sich an die Arbeiten gibt sollte man die Anleitung komplett durchlesen und dann entscheiden ob man es wirklich machen sollte.
Die Bremse ist eins der Wichtigsten Bauteile am Fahrzeug, Fehlfunktionen oder gar der komplette Ausfall können einem das Leben kosten,
das sollte man immer bedenken.
Ich habe mir einen Wartungssatz und einen Bremskolben Rücksteller geholt, Gesamtkosten 50,- Euro.
Eine Erneuerung der Beläge /Scheiben ist zu überlegen, wenn man einmal dran ist….je nach Zustand.
Den Rücksteller benötigt man nicht unbedingt, ist aber auch beim dem normalen Bremsbeläge wechseln eine gute Arbeitserleichterung.
Der Corrado wird hinten komplett hochgebockt und unterbaut.
Bei den Arbeiten ist die Handbremse gelöst, der Corrado darf während der Arbeiten nicht wegrollen !!!
Ich habe die Hinterachse mit Pflastersteinen unterbaut, aber Vorsicht, das Arbeiten mit Steinen Böcken oder ähnliches ist grundsätzlich Gefährlich.
Als erstes wird die Verkleidung im Innenraum um den Handbremshebel demontiert,
so dass man an die Einstellung (Seilzüge) der Handbremse kommt.
Die Einstellmuttern mit Kontermuttern komplett lösen.
Die Felgen sind ab und der Bremssattel wird demontiert.
Bremsleitung demontieren, hierfür gibt es spezielles Werkzeug, sieht wie ein Ringschlüssel mit einem Ausschnitt aus.
Vorsicht bei der Verwendung von einem Maulschlüssel das die Überwurfmutter nicht beschädigt wird, zum erleichtern vorher mit Kriech Öl einsprühen.
Aus der Ölleitung kommt nicht viel Öl, dennoch wird ein Stück Pappe unter die Bremse gelegt und ein Lappen dazu kann auch nicht schaden.

Handbremsseil aushängen, dazu vorher die Sicherungsklammer abnehmen.
Bremssattel mit einem 13 Schlüssel lösen und mit einem 15 Schlüssel die Bolzen gegenhalten.
Anschließend Bremssattel mit einem Schraubendreher ab hebeln.
Bild1.jpg

Jetzt geht es an der Werkbank weiter….ein Schraubstock ist ein Muss um vernünftig arbeiten zu können.
Zerlegung Bremssattel:

1. Mit Wasserpumpenzange die Feder für den Handbremshebel herausnehmen, geht recht leicht.
2. 10 mm (Schlüsselweite) Schraube (Anschlag für Hebel) heraus drehen.
3. Bremsbacke in den Schraubstock einspannen und den Kolben mit Kolbenrücksteller oder Wasserpumpenzange vorsichtig herausdrehen.
Bild3.jpg

4. Lippendichtung (Staubschutzmanschette) entfernen.
5. Jetzt muss der Seegering unten im Gehäuse gelöst/demontiert werden, eine Seegerinzange ist nicht erforderlich,
lediglich 2 sehr lange und schmale Schlitzschraubendreher.
Wenn man sich den Seegering genau anschaut sieht man das es 2 Stellen gibt wo man mit den Schaubendrehen ansetzen kann,
Schraubendreher rein und etwas verdrehen.
Dabei muss man sehr vorsichtig sein, sowie die Seegering abspringt kommen einem die Innenteile mit viel Wucht entgegen,
das kann ins Auge gehen oder man verliert die Teile. Ich habe vor dem verdrehen der Schraubendreher einen Lappen in das Gehäuse gesteckt.
Bild4e.jpg

Die Blechhülse, Feder und Seegering weg legen.
Bildae.jpg

6. Jetzt wird die Gewindespindel heraus genommen, einfach etwas wackelnd herausnehmen.
Bildbe.jpg

7. Den Metallstift mit einer Spitzzange aus dem Gehäuse holen.
8. Jetzt den Handbremshebel herausziehen
9. Simmerring vom Handbremshebel heraus knippen ohne das Gehäuse zu beschädigen
10. Den Dichtring vom Bremszylinder aus der Nut im Gehäuse nehmen

Jetzt hat man die Gelegenheit mal alles mit Bremsenreiniger zu reinigen,
das Fett im dem Bereich vom Handbremshebel habe ich ausgetauscht, pro Bremssattel 80ml Fett.
Allgemein wird es nicht oft gemacht, d.h. man kann darauf verzichten es zu tauschen.
Zum Verständnis, die Gewindespindel hat am unteren Ende einen Dichtring, dieser ist sehr Wichtig.
Er trennt den Fett vom Bremsflüssigkeits Teil. Ist dieser undicht drückt sich die Bremsflüssigkeit über den Hebel ins Freie.
Bremsen ist damit natürlich unmöglich. Ohne neuen Dichtring würde ich die gesamten Arbeiten nicht machen.
Den Hebel muss man sich genauer anschauen, oft ist es der Fall das dieser im Innenbereich rostet.
Dies ist dann die Ursache für Probleme mit der Handremsennachstellung.

Jetzt geht es an den schwierigsten Teil der gesamten Arbeiten, den Zusammenbau.

1. Evtl. Fett einsetzen (Mit Spritze 80 ml einfüllen), darauf achten das das Fett nur im unteren Bereich ist, es darf nicht zum Zylinderraum gelangen!
2. Neuen Dichtring für den Hebel einsetzen, mit einer Nuß von einer Ratsche etwas gleichmäßig nachdrücken.
3. den Hebel etwas einfetten, neues Fett oder etwas aus dem Innenraum nehmen und in den Bremssattel einsetzen.
Bildg.jpg

Ich empfehle zusätzlich etwas Fett (nicht aus dem Gehäuse) zwischen den Hebel und dem Gehäuse zu bringen,
da dort gerne von außen Feuchtigkeit in den Bremssattel eindringt.
4. Die 10mm Schraube für den Anschlag vom Hebel Eindrehen.
5. Die Feder wieder montieren.
6. Den kleinen Metallstift mit einer Spitzzange in das Gehäuse einsetzen
Bilds.jpg


Wenn man jetzt den Hebel betätigt bewegt sich der Metallstift leicht.
Jetzt nehmen wir uns die Gewindespindel, erneuern den Dichtring und setzen diese in das Gehäuse ein.
Dabei muss man sehr Vorsichtig sein das man den Dichtring nicht beschädigt!
Die große Unterlegscheibe an der Gewindespindel hat eine Vertiefung an der Unterseite und muss damit in eine Aussparung im Gehäuse.
Mit einem Schraubendrehen kontrollieren ob sich die Scheibe nach dem einsetzen noch drehen lässt oder richtig sitzt.
Jetzt muss man noch einmal die Funktion vom Hebel kontrollieren,
dazu die Spindel nach unten drücken (Vorsicht wegen dem Dichtring) und den Hebel betätigen,
dann muss sich die Spindel nach oben und unten bewegen, es ist nicht viel, man muss genau hinschauen.

Jetzt kommt der Teil wo die meisten Leute dran verzweifeln, das einsetzen von der Feder dem Blechkorb und dem Seegering.
Ich habe mir eine Hilfe gebaut, wie auf dem Bild ersichtlich, die Teile dafür sind mit in der Material/Werkzeug Liste.
Bildf.jpg

Damit kann man den Blechkorb gegen die Kraft der Feder (sehr stark) nach unten drücken.
Das schwierigste dabei ist den Seegering zu setzen und den Blechkorb nicht zu beschädigen.
Der Blechkorb darf mit der selbst gebauten Hilfe nicht zerdrückt werden, der Korb muss perfekt!
über der Aussparung/Vertiefung im Gehäuse sitzen!
Am besten immer wieder mit der Taschenlampe kontrollieren dass er richtig sitzt.
Wenn der Blechkorb richtig sitzt setzt man den Seegering ein, nachträglich!
Der Seegering wir nur mit 2 Schraubendreher, sehr lang und dünn, nach unten gedrückt.


Das ist eine richtige Fummelarbeit, da nicht viel Platz im Gehäuse ist. Man Hört wenn er in die Nut rutscht.
Die Taschenlampe wird dabei permanent benötigt.
Nochmal kontrollieren dass sich die Spindel bewegt wenn man den Hebel bewegt.
Ist dies erledigt wird die helfende Konstruktion wieder demontiert.

7.Innere Dichtung vom Bremskolben in die Nut einsetzen.
8. Lippendichtung (Staubschutz) auf den Kolben schieben, Kolben vorher mit etwas Bremsflüssigkeit einschmieren.
Dichtlippe so setzen dass der Rand, der in das Gehäuse kommt etwas übersteht.
Bildz.jpg

9. Jetzt den Kolben in den Bremssattel einsetzen, er wird unter leichten Druck nur aufgedreht.
Bildk.jpg

Das geht sehr einfach, da keine Bremsflüssigkeit im Sattel ist. Die Lippendichtung flutscht dabei wie von selbst in die Vertiefungen.
Jetzt wird der Bremssattel mit einer Spritze Bremsflüssigkeit vorgefüllt, dazu den Entlüftungsnippel öffnen,
vorher mit Kriech Öl einsprühen, reißt gerne mal ab. Einwirkzeit beachten.
Mit der Spritze die Flüssigkeit durch den Bremsleitungsanschluss drücken und am Entlüftungsnippel auslaufen lassen bis keine Luftblasen mehr kommen.

Jetzt kann alles wieder montiert werden, wie sollte klar sein.
Die Einstellung im Innenraum (Seilzüge) wird so vorgenommen das zwischen dem Hebel am Sattel und dem Anschlag (Bolzen) 2mm Luft ist, fertig.

Wichtig noch das Entlüften der Bremsanlage.
Dabei muss die Zündung eingeschaltet sein (wegen zu hohen Temperaturen der Pumpe max. 30 Sekunden am Stück, nur bei Hinterachse notwendig).
Einen Schlauch auf den Entlüftungsnippel, der Schlauch endet am Boden in einem leicht gefüllten Glas mit Bremsflüssigkeit.
Eine Person sitzt im Auto, schaltet die Zündung an und aus, (Abkühlung der Pumpe berücksichtigen) und tritt leicht auf das Bremspedal.
Eine zweite Person entlüftet den Bremssattel.
Entlüfternippel nur beim Treten vom Pedal öffnen, bevor das Pedal losgelassen wird um erneut zu treten muss der Entlüftungsnippel zugedreht werden.
Dazu immer den Stand im Bremsflüssigkeitsbehälter überprüfen, nicht das sich die Anlage dort Luft zieht.
Unter dem Corrado befindet sich ein Bremsdruckregler in der Bremsleitung.
Er ist über eine Feder mit der Achse verbunden.
Dieser entscheidet je nach Gewicht auf der Hinterachse wie viel Kraft von der Hinteren Bremse genutzt wird.
Auto hinten leicht = Vorne Bremsen Normal, hinten ein wenig
Auto hinten schwer= Vorne Bremsen Normal, hinten stärker
Wenn der Wagen hinten ausgefedert ist „denkt“ dieses Ventil das die hintere Bremse nicht benötigt wird,
dementsprechend wird das Entlüften schwierig.
In dem Fall kann man dieses Ventil mit einem Nagel oder Stück Draht betätigen, einfach mal nachschauen, es sind extra Löcher dafür vorhanden.
Da ich meinen Corrado auf der Achse abgestellt hatte war er eingefedert und ich konnte darauf verzichten.

Hier mal die Wichtigen Dinge die man haben sollte:

Dichtsatz
Schraubstock
Versch. Werkzeug Standard
Böcke
2 sehr lange und dünne Schraubendreher
Bremsenreiniger (2Dosen)
Multi Spray, Rostlöser
Bremsflüssigkeit
Evtl. Rückssteller
Evtl. Ringschlüssel für Bremsleitung
Spritze zum vorfüllen (sehr groß)
Spritze zum fetten (klein)
160 ml Fett
Schlauch + Gefäß zum entlüften

Zum Feder spannen:

Gewindestangen: 16 cm + 16 cm + 20 cm
8 mm Muttern: 10 Stk
U-Scheibe 8mm Innen: 1
Stahl/Profil mit 3 Löchern
1 Nuss von einer großen Ratsche,
*Achtung die Gewindespindel muss in der Mitte durchgehen
Bohrlcher_2011-05-28.png



Gruß Tommy
Letzte Änderung: 6 Jahre, 6 Monate her von Thomas K.
Folgende Benutzer bedankten sich: Olli

Aw: Anleitung hintere Bremssättel überholen 6 Jahre, 6 Monate her #1220

  • Poldy7777
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  • Junior Boarder
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  • Karma: 0
Hi Tommy,

Hut ab, deine Idee mit der Brücke zum Niederdrücken der Feder ist topp. Vor allem hat man die Hände frei.

Ich hatte mir anfänglich einen abgegeigt und aus einem alten Kolben das innenleben rausgeflext. Die verbliebene Spindel habe ich verlängert und am Ende eine Mutter zum Drehen der Spindel geschweißt. Bei der Montage muß ein zweiter Mann durch Drehen der Spindel die Feder nach unten drücken, was beim Seegering einsetzen ewig die Sicht versperrt .

Später kam ich drauf, wie es ganz einfach geht .

Man kann der Seegering mit einem Rohrstück einsetzen (Außendurchmesser < Innendurchmesser des Sackloches, Länge ca. handbreit).

Nach dem Einsetzen der Teile für die Handbrems-Nachstellung ist das Sackloch ordentlich zu einzufetten. Der Seegering wird mit einer Seegeringzange angesetzt. Sobald er im Sackloch hängt, einfach mit dem Rohr kräftig nach unten drücken. Die Reibungskräfte werden durch das Fett minimiert, ähnlich geölter Kolbenringen. Gegen Ende kann man den Federdruck durch Hammerschläge überbrücken. Wenn der Seegering unten ist, klickt er in die Nut.


Gruß - Poldy7777
Letzte Änderung: 6 Jahre, 6 Monate her von Poldy7777.

Aw: Anleitung hintere Bremssättel überholen 6 Jahre, 5 Monate her #1260

  • Michael
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  • Gold Boarder
  • Beiträge: 174
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Hallo Thommy,

Hast du sehr gut und ausführlich beschrieben.

Gruß
Micha
... fühl die Energie...

Aw: Anleitung hintere Bremssättel überholen 6 Jahre, 5 Monate her #1262

  • Thomas K
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Danke

@Poldy,
bei der Montage von dem Seegering hab ich auch erst ein Rohr genommen, ein 28 Kupferrohr passt sehr gut.
Dabei habe ich mir aber den Blechkorb verbogen, da man nicht mehr hinein schauen kann.
Fett wollte ich im Bereich von der Bremsflüssigkeit nicht haben.
Daher dann die Idee mit dem Gestell.

Gruß Tommy

Aw: Anleitung hintere Bremssättel überholen 6 Jahre, 3 Monate her #1686

Tolle Beschreibung, aber wie ich finde nicht mehr zeitgemäß. Denn eue Zubehör- Sättel bekommt man heutzutage für unter 50 Euro, und diese basieren dann auf dem wesentlich besseren Lucas System, das wesentlich durchdachter ist, als die alten Girling Sättel. Ich würde in alte Girling Sättel keinen Cent mehr investieren.
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